Projektmanagement ist eine Investition mit Return

Projektmanagement hat es immer noch schwer – insbesondere die Planung. Hier geht schnell der Sparfuchs ans Werk und entlarft sie als Vorgeplänkel mit großem Einsparpotenzial. Denn genau genommen braucht man zur Durchführung eines Projektes ja auch nur: die Durchführung. Die Planung kann man sich also sparen und, wenn wir schon dabei sind, die Projektkommunikation, das Stakeholder-Management, das Anforderungsmanagement, das Risikomanagement, die Projektkontrolle und den Abschluss auch.

Dieses Phänomen verwundert nicht. Man spricht nicht umsonst von der deutschen Sparkultur. Sparen liegt uns am Herzen, wird von der Kindheit an gefordert und gefördert. Wir haben Spargeld, ein Sparkonto, ein Bausparvertrag und eine Ansparrente. Wir sehen die aktuelle Zinssituation als einen Angriff auf eben diese Sparkultur, obwohl die meisten von uns längst mehr Schulden als Erspartes vorzuweisen haben, also – zumindest unter dem Aspekt – mehr von der Zinssituation profitieren als darunter leiden. Trotzdem bleibt Sparen in unserer Mentalität das gesellschaftlich und moralisch Gute und Richtige zu tun. Investionen sind zweifelhaft, unsicher und außerdem etwas für Reiche und Geldsüchtige.

Insofern überrascht es auch nicht, dass wir in der Schule – der Ort, der uns zu guten Mitmenschen machen soll –  sparen beigebracht bekommen, das Wort „Investition“ aber so gut wie gar nicht fällt, außer an einer Wirtschaftsschule. Dabei ist Bildung die erste und wichtigste Investition, die wir tätigen.

Investition bedeutet, dass wir heute Wertgegenstände (z.B. Zeit und Geld) binden, um in der Zukunft einen Gewinn daraus zu erzielen, den Return on Investment (ROI). Der Gewinn ergibt sich aus den Erträgen minus den Kosten. Der ROI kann also dadurch zustande kommen, dass wir aufgrund unserer Investition höhere Erträge erzielen und/oder unsere Kosten senken.

Das Projektmanagement ist also nicht als Kostenblock, sondern als Teil des Projekt-Investments zu verstehen, das wir bewusst tätigen, damit das Projekt einen „Return“ erzielen kann. Es geht darum, Zeit und Geld in die Hand zu nehmen und das Projekt gut durchdenken, vorbereiten und begleiten, um den Gewinn zu sichern. Und eben dieser schwindet sehr schnell, wenn sprichwörtlich an der falschen Stelle gespart wird.  Projekte scheitern normalerweise nicht daran, dass zu viel in Planung, Anforderungsmanagement, Kommunikation, Stakeholder-Management oder Risikomanagement investiert wird, sondern dass daran gespart wird. Die dadurch entstehenden Kosten fressen aus den Erträgen den Gewinn. Und ein negativer Gewinn, wie Wikipedia es so schön definiert, heißt auch Verlust.

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Arlette Dumont du Voitel

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